Startups made in Austria – Das Startup Ecosystem

by Werner Sammer

Frisch, unverbraucht, stets neue Ideen parat, unternehmerisch geschickt: Dieses Bild hat man von Startups in der Öffentlichkeit. Doch als Entrepreneurin oder Entrepreneur braucht man auch das richtige Umfeld, in dem das Unternehmen aufblühen kann. Im Allgemeinen ist Österreichs Startup-Szene gar nicht so klein wie man zunächst glauben mag. Doch wer sind die relevanten Player im Startup-Ökosystem?

Startup Ecosystem

Nur in der Einheit kann ein Startup-Ökosystem funktionieren.

Unter einem Startup-Ökosystem (oder Startup Ecosystem) versteht man das Zusammenspiel aller Beteiligten und Stakeholder im Umfeld von Startups. In diesem Ökosystem hat eine Vielzahl von Akteuren direkt oder indirekt Einfluss auf die Entwicklung der Gründungslandschaft. Welche Beteiligten in einer solchen Landschaft unbedingt vorhanden sein müssen, lässt sich nicht ohne weiteres beantworten. Grundsätzlich sind neben den Gründerinnen und Gründer weitere Stakeholder beteiligt:

  • Investoren
  • Venture Capital-Geber
  • Inkubatoren
  • Business Angels
  • Mentoren
  • Berater
  • Universitäten
  • Regierung
  • Industrie-, IT- und Forschungsunternehmen

 

Ein gutes Ökosystem zeichnet sich schon bei den kleinen Dingen aus: Ein reger Ideenaustausch zwischen den Startup-GründerInnen, regelmäßige Events und Networking-Treffen, Businessplan-Wettbewerbe, Entrepreneurship-Zentren, aktive Investoren. Der Austausch und das Zusammenspiel aller Beteiligten machen die Vielfalt und schlussendlich auch den Erfolg der Ökosystems aus.

 

Der Erfolg gibt ihnen recht

Doch warum ist dieses Umfeld so wichtig? Die Bedeutung einer funktionierenden österreichischenStartup-Szene zeigt sich vor allem an den folgenden Fakten:

  • Die Hälfte der neu geschaffenen Jobs in Österreich werden laut Austria Wirtschaftsservice (AWS) von Startups angeboten. [Quelle: Die Presse]
  • Startups sind Innovationstreiber und Motor für die Wirtschaft. Beispielsweise erwirtschaften alleine die rund 5700 Wiener IT-Unternehmen knapp 20 Milliarden Euro Umsatz jährlich. Somit ist Wien die drittgrößte IT-Metropole Europas. [Quelle: Wirtschaftsagentur Wien]
  • Städte wie San Francisco, Boston, Berlin oder London haben sich einen respektablen Ruf als Startup-Brutstätten geschaffen und sind Leuchttürme für ihre Volkswirtschaften.
  • Beispiele wie bwin, last.fmRuntastic, Whatchado, Mysugr, zoomsquare123people und viele weitere Startups (man könnte diese Liste endlos fortsetzen) zeigen, dass man auch von Österreich aus international erfolgreich sein kann.

 

Dass jede Förderung – ob finanzieller Natur oder Belebung des Standorts durch Veranstaltungen – zum Erfolg des Startup-Ökosystems in Österreich beiträgt, ist somit offensichtlich.

In Österreich ist Wien zurzeit das unangefochtene Gründer-Mekka. Laut Austrian Startup Report 2013 haben sich rund 68 Prozent aller Startups hier angesiedelt. Durch die Etablierung einer Vielzahl von Coworking Spaces und Inkubatoren wurde der Standort auch für viele GründerInnen interessanter. Was vielleicht überrascht: Immerhin 7,5 Prozent aller österreichischen Startups sind in der Steiermark beheimatet.

Erfolgreiche Startups aus der grünen Mark sind beispielsweise SunnyBag, BikeCityGuide, Synvo oder imagotag. Neben den Crowdfunding-Plattformen Green Rocket und 1000×1000 und privaten Initiativen wie dem IdeenTriebwerk Graz fördert auch die öffentliche Hand die Ansiedlung von Startups. Aus den österreichweit tätigen AplusB-Zentren – in der Steiermark ist der Science Park Graz dafür verantwortlich – entspringen ein Großteil der technologieorientierten Startups. Um eine digitale und mobile Gründer-Szene zu etablieren, ist Up to Eleven daran interessiert, den Standort Graz zu fördern und die besten Köpfe aus der Region anzuziehen.

 

Das Gründungsumfeld muss besser werden

In einem Bereich sind sich die Beteiligten im Startup-Ökosystem einig: Das Gründungsumfeld in Österreich ist noch nicht ideal. Es liegt vor allem an Strukturproblemen: Bürokratische Hindernisse, nur langsam aufkommendes Interesse der Politik und finanzielle Engpässe verhindern bessere Gründungsbedingungen für Jungunternehmen. In anderen europäischen Städten wie Berlin sei die Entwicklung wesentlich weiter vorangeschritten, meint dieser Artikel aus „Der Presse“: “Wien soll sich Berlin zum Vorbild nehmen”.

Die Startup-Szene boomt, nur sind private Investments noch immer rar gesät. Die Verfügbarkeit von Risiko- und Wachstumskapital gilt als Gradmesser für ein gutes Ökosystem – an diesem mangelt es in Österreich. Eine Reihe privater Initiativen wie die Austrian Angel Investors AssociationAustrianStartups, AustrianEntrepreneurs oder das Pioneers Festival tragen jedoch ihren Teil dazu bei, die Gründerlandschaft in Österreich aufwerten.

Was ein gründerfreundlicher Standort braucht, ist der Fokus auf den globalen Markt. Gerade Österreich bietet sich in seiner Lage als Knotenpunkt für die internationale Gründerszene in Zentral- und Osteuropa an. In dieser Infografik sind alle Stakeholder des österreichischen Startup-Ecosystems gebündelt. Auch Partner in Zentral- und Osteuropa werden angeführt.

 

Die Player im Überblick

Um einen guten Überblick über das österreichische Startup-Ökosystem zu bekommen, lohnt sich ein Klick auf die Startup Map von AustrianStartups. Hier kann man die großen Player – ob Startups, Coworking Spaces, Investoren, Inkubatoren, Hackerspaces oder andere – mit einem Blick erfassen. Auch Up to Eleven lässt sich auf dieser Karte finden (man findet uns unter den Inkubatoren). Bist du mit deinem Unternehmen noch nicht im Startup Ecosystem erfasst, so kannst du dich eintragen lassen.

Auf Bundesland.bz finden sich allerlei wichtige Links für Startups, GründerInnen und Interessierte. Die Wirtschaftsagentur Wien hat das Ökosystem für Startups sehr übersichtlich zusammengefasst. Der Überblick ist zwar nur auf Wien beschränkt, dennoch ist die Mehrzahl der Initiativen auch österreichweit tätig. Mit dem Equity Finder hat das Austria Wirtschaftsservice zudem die Möglichkeit geschaffen, Investoren und Startups miteinander zu verkuppeln.

Der Journalist Jakob Steinschaden beschäftigt sich besonders mit dem Thema Startups und hat auf seinem Blog und auch im „HORIZONT“ interessante Artikel zum Boom der österreichischen Gründerszene verfasst. Außerdem sind die Beiträge von Claudia Zettel (futurezone.at) und Eva Steindorfer (Die Presse) erwähnenswert.

 

Anmerkung: Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für einen groben Überblick sollten die genannten Beispiele jedoch reichen. In einem der kommenden Artikel wird speziell auf Grazer und österreichweite Fördereinrichtungen eingegangen.